On the search for a breakthrough

Es ist einfach Lösungen zu finden, wenn man das Problem kennt. In meinem Falle ist das Problem glasklar, aber die Lösung ist noch nicht mal mit einem Teleskop zu entdecken, soweit bin ich zur Zeit davon weg. Meine ersten Versuche zu tun was richtig für mich wäre sind grandios gescheitert. Diese ersten Versuche umfassen immerhin rund 20 Jahre meines Lebens in denen sich die Richtung wechselte wie ein Kompass bei wechselnden Magnetfeldern. Bis zu einem Punkt wo es nicht mehr weiter ging. Mit etwas Hilfe und Halt durch Freunde und Familie bin ich wenigstens halbwegs wieder auf dem Weg angekommen, aber die Wahl des richtigen wird ein weiterer Knackpunkt in meinem Leben sein.
Jetzt beschäftige ich mich ja nicht erst seit gestern mit meinen Problemen und versuche zu ergründen was ich will und wie ich es gerne hätte. Beim Schlafverhalten hat das schon weitestgehend geklappt, beim Essverhalten weniger. Letzteres hat mit Willen und Disziplin zu tun, zwei Dinge, die ich aufbringe, wenn es wirklich nicht nötig ist, nicht wenn ich es unterbewußt nicht 100% einsehe. Doch zurück zum aktuellen Problem.
Ich bin das, was man beim Myers-Briggs Typenindikator als INFP Persönlichkeit kategorisiert. Leider ist diese Art der Persönlichkeitsbeurteilung stark umstritten und vermutlich mehr eine Glaubensfrage. Es geht dabei auch weniger darum, dass ich mich in die richtige Schublade gesteckt fühle, sondern vielmehr um die Details, die ziemlich exakt meinen Werdegang abzeichnen. Vermutlich ist es ein bißchen wie mit Horoskopen, sie passen irgendwie immer, aber wenn dir das Horoskop sagt wie schön der Tag morgen wird, werden die meisten Menschen wenigstens darüber nachdenken, ob eventuell was dran ist und vielleicht ein Stück positiver denken.
Aufgrund der Einordnung als INFP, den man sehr grob als idealistisch, freundlich, kreativ, intuitiv, stur, ethisch/moralisch zusammenfasst, fühle ich mich, Kritik an der generellen Kategorisierung, doch gut getroffen. Auch die Berufswahl stimmt ziemlich mit meiner Vergangenheit überein und meine Probleme sind mit der INFP Person identisch. Auch wenn hier vermutlich der Barnum-Effekt(1) eine Rolle spielt, ändert das nichts daran, dass ich weiß wann ich mich unwohl fühle, in Teams weniger effizient arbeite als alleine und wie stur ich sein kann, wenn ich etwas als ungerecht empfinde.
Barnum-Effekt hin oder her, an der Suche nach der Lösung ändert das nichts. Ich stolpere von Abzweigung zu Abzweigung und das einzige was ich weiß ist, dass ich nicht zurück kann, weil sich dieser Weg schon einmal als falsch erwiesen hat.
Auf die viel gestellte Frage “Wo siehst du dich in 5, 10, 15 Jahren” hatte ich noch nie eine Antwort. Ich habe ein ungefähres Ziel vor Augen, eine Pyramide mit Dingen, sortiert nach Wichtigkeit, aber der Weg dorthin ist ein Labyrinth, wo in jeder Sackgasse ein Minotaurus wartet und meinen Ariadnefaden habe ich leider verlegt.
Zu diesem grundlegenden Problem kommt die Angst. Die Angst vor sich selbst, der Selbstzweifel, der bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Je risikoreicher ein Unternehmen ist, desto größer ist der Selbstzweifel, ein System, das noch aus der Frühzeit des Menschen stammt – die Angst vor dem Unbekannten. Als Jäger und Sammler war dieses System wichtig. Wenn einem sein Gefühl, die innere Stimme sagte “Da hat etwas im Gebüsch geraschelt, sei vorsichtig” musste man eben damit rechnen, dass es ein Säbelzahntiger ist. Das es auch ein Eichhörnchen sein könnte ist dabei nicht relevant, jedenfalls solange man gerade nicht am hungern war und somit risikobereiter.
Heutzutage ist dieses Verhalten nicht unbedingt angebracht, zumindest in Mitteleuropa dürften keine gefährlichen Raubtiere mehr auf einen lauern. Leider ist dieser Selbstzweifel überall. Bei jedem Vorhaben, bei jeder Entscheidung die eigene Komfortzone betreffend. Mir hilft da nicht mal das berühmte “Was soll dir schon passieren, es gibt doch Sozialsysteme”. Dabei wäre es ein einfacher Schritt, gefahrlos und maximal eine Lebenserfahrung mehr, ein kleiner Lerneffekt, ein Rückschlag und nicht der Untergang der Welt.
Ich denke zu viel nach, wäge für und wider ab, statt es einfach zu halten. Ein sehr berühmter Mann, ein Philosoph, ein Künstler, ein Meister seines Fachs, sagte mal:

“In meiner Karriere habe ich über 9000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 mal wurde mir der spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe ihn nicht getroffen. Ich habe immer und immer wieder versagt in meinem Leben. Deshalb bin ich erfolgreich.” (2)

Die Frage ist nur noch wohin will ich. Was ist mein Mittel um ans Ziel zu kommen?

1) http://de.wikipedia.org/wiki/Barnum-Effekt
2) Michael Jordan (I’ve missed more than 9000 shots in my career. I’ve lost almost 300 games. 26 times, I’ve been trusted to take the game winning shot and missed. I’ve failed over and over and over again in my life. And that is why I succeed.)

Veröffentlicht unter Allgemeines, General, Tech | Hinterlasse einen Kommentar

Zocken

Ich bin die Tage beim nächtlichen Streifzug durch die Streamwelt bei einem Stream hängengeblieben, weil dort Blackjack gespielt wurde. Eigentlich sind Kartenspiele nicht so mein Fall, Poker zum Beispiel kann ich eigentlich überhaupt nicht, aber Blackjack fand ich aufgrund der Möglichkeiten immer sehr interessant und das führte dann auch dazu, dass ich den Stream eine Weile nebenbei verfolgte. Der Streamer, einer der bestbezahlten in der Twitch-Community (mit einem geschätzten Einkommen von 800.000 U$ pro Jahr) spielte natürlich um echtes Geld.
Bis zu dem Zeitpunkt waren solche Onlinekasinos etwas, das ich nur aus Spam in meinem Postfach oder von Werbebannern auf irgendwelchen Seiten kannte. Was ich bisher zum Beispiel nicht wußte ist, dass dort hauptsächlich Leute aus Costa Rica arbeiten, die dort Tag für Tag hinter Spieltischen stehen, live ins Internet gestreamt werden und in gebrochenem Englisch mit den Usern zu reden versuchen oder sich von Usern trollen, beschimpfen und anbaggern lassen. Die meisten Angestellten dort scheinen Frauen im Alter zwischen 23 und 30 zu sein, die natürlich mit ansprechender Optik, einem prallen Dekolleté und süßem Akzent Spieler an die Tische locken sollen. Die Männer sind auch recht ansprechend – aus der Sicht eines vollständig heterosexuellen Mannes jedenfalls.
Nach einer Weile fiel dem Streamer und mir dann auf, dass an seinem Tisch ein Typ saß, der jetzt schon die dritte Runde in Folge 600$ gesetzt hatte – der Streamer selbst setzte selten über 30$ und hatte sich ein Limit von 500$ für den Abend gesetzt. Der 600$ Mensch hatte gerade das dritte Mal in Folge seinen Einsatz pulverisiert, weil er bei 16 noch eine weitere Karte wollte, setzte aber in Runde 4 erneut 600 Dollar. Das war dann für mich die Stelle, wo mich das Spiel tatsächlich zu interessieren anfing. Natürlich verlor er auch die 4. Runde, begleitet von einem “Oh shit, that poor guy” aus dem Stream. Doch der Verlust von 2400$ schien keinerlei Eindruck hinterlassen zu haben und wie es halt beim Blackjack so ist, es muss ja statistisch gesehen irgendwann klappen.
Um dem vorzugreifen, er hat Runde 5 und 6 tatsächlich gewonnen, nur um die Runden 7-12 dann wieder zu verlieren. Alles in allem hat der gute Mann oder die Frau da in rund 10 Minuten 6000$ verzockt und ich glaube neben dem Streamer und mir haben zu dem Zeitpunkt rund 8000 Zuschauer mitgelitten.
Was mich im Nachhinein besonders fasziniert hat waren meine eigenen Reaktionen und Gedanken. Da sitzt jemand, den ich nicht kenne und von dem ich nicht weiß ob er reich oder arm ist an einem virtuellen Blackjacktisch und verspielt 6000 US Dollar. Ich habe im letzten Jahr wohl keine 6000€ ausgegeben und werde es auch dieses Jahr nur mit Mühe schaffen.
Viel erschreckender ist aber, dass mir Gedanken durch den Kopf schossen wie “Die Runde hätte ich gewonnen” und “Ich hätte schon 100€ Plus gemacht”. Entsprechende Gedanken müssen sich in verstärkter Form Spielsüchtige machen bevor sie ihr Haus und sonstiges Hab und Gut verspielen.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ich problemlos ein Opfer einer solchen Spielsucht werden könnte, was einigermaßen beängstigend ist, weil ich eigentlich gerne mal spiele. Also die Notiz für die Zukunft:
Niemals um Geld spielen

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Erkennt man noch den Wert von 500$, wenn man ein prallgefülltes Bankkonto hat und bedeutet reich zu sein, dass man leichter spielsüchtig wird. Ich habe jetzt tatsächlich drei Tage lang Studien zu diesem Thema gesucht, aber zufriedengestellt haben mich die Funde nicht. Es ist wohl so, das reiche und arme Menschen spielen, aber selten, die einen weil Geld sowieso vorhanden ist und die anderen weil sie so gut wie keines haben, spielsüchtig werden. Die große Anzahl der Spielsüchtigen kommt entsprechend aus den mittleren Einkommen, also jenen, die zwar etwas Geld haben, aber nicht ausreichend um es in Aktienpaketen, Fonds oder Edelmetallen zu verspekulieren und zu viel, um sich Gedanken über drei warme Mahlzeiten und Heizkosten zu machen.
Alles in allem ein sehr bedrückendes und faszinierendes Thema. Ich glaube ich schaue jetzt öfter Blackjackstreams.

A K

Veröffentlicht unter Allgemeines, General, Tech | Hinterlasse einen Kommentar

Zu blöd für Jump&Run und was man sonst so falsch macht

Vor einiger Zeit gab es mal Duck Tales im Steamsale für ungefähr 3 Euro. Natürlich habe ich es gekauft. Zum einen weil es superbillig war und zum zweiten weil ich gute Kindheitserinnerungen damit verbinde. Also sprach doch nichts dagegen, wenn ich eine aufgemotzte Version kaufe und das noch einmal spiele. Mein erstes Mal spielen ist inzwischen auch Monate her. Ich bin nämlich kläglich gescheitert – am ersten Boss auf mittlerem Schwierigkeitsgrad.
Gestern war dann die Zeit gekommen es noch einmal zu versuchen. Ratet mal wie weit ich gekommen bin. Genau! Bis zum ersten Boss.
Ähnlich sieht es aktuell mit dem Sport aus. Ich komme nicht so recht voran. Ich habe jetzt zwar 17 Tage in Folge meinen Tagesplan durchgezogen, doch jetzt macht mir das Knie einen Strich durch die Rechnung. Fühlt sich (und liest sich) wie ein Problem mit dem Quadriceps an. Das ist jener Muskel, der vom Oberschenkel zur Kniescheibe geht und ich habe ihm wohl etwas viel zugemutet für den Anfang. Entsprechend muss ich jetzt etwas vorsichtiger sein, den Muskel kühlen und viel dehnen.
Auch die Entwicklung des Eigengewichts nimmt teilweise seltsame Formen an. Zur Zeit nehme ich massiv zu, egal ob ich innerhalb des normalen Verbrauchs, darunter oder darüber esse. Ob es sich dabei um Muskelwachstum handelt, die ja auch entsprechend Gewicht mitbringen oder mein Körper meint er müsste möglichst viele Speicher anlegen, werde ich mal anhand der Messwerte (Caliper) in den nächsten 3 Wochen prüfen müssen.

Und morgen gehe ich wahrscheinlich wieder laufen!

Veröffentlicht unter Allgemeines, General, Sport | Hinterlasse einen Kommentar

Frühlingsgefühle

Muskelkater, mein liebstes Frühlingsgefühl. Wie habe ich dich vermisst. Eigentlich fängt mein Frühling meistens schon im Februar an. Dieses Jahr kam eine Grippe und die Familie dazwischen und entsprechend faul war ich dann auch bis April. Da es so nicht weitergehen kann, habe ich mich jetzt aufgerafft und mein Training wieder aufgenommen.
Das Ziel für dieses Jahr ist niedrig angesetzt. Ich möchte die Götter von ihrem Thron stoßen, ihre Schädel zerschmettern und den Olymp erklimmen.
Um dieses Ziel zu erreichen habe ich mich dann auch einen neuen Trainingsplan gemacht. Meine Grundlagenphase umfasst Sport an 7 Tagen die Woche für die nächsten 3 Monate. Danach folgt das übliche Wiegen und Messen, Fragen wie man die Ernährung optimieren kann und ein angepasster neuer Trainingsplan.
Diese erste Woche habe ich auch gut überstanden. Sobald man in dem täglichen Rythmus drin ist, geht es auch quasi von alleine.
Ende.

Mehr dazu morgen.

Veröffentlicht unter Sport | Hinterlasse einen Kommentar

Von Holzwegen und toten Pferden

Heute mal ein ganz anderer Beitrag. Ein Beitrag über die Vergangenheit und irgendwie auch die Zukunft. Ein Beitrag über Computerspiele und den Holzweg auf dem wir uns befinden oder auf dem ich glaube, dass wir uns befinden.
Es gab mal eine Zeit wo Computerspiele ausschließlich der Unterhaltung dienten, wo Spiele von Spielern für Spieler gemacht wurden und man den Aufwand der Programmierer mit 50-80 deutschen Mark entlohnte. (PC-Spiele, die Konsolenspiele waren um ca. 30 DM teurer) Die Spiele, die damals auf den Markt kamen, waren nicht unbedingt hochwertiger als heute, aber es gab Hersteller, wo einem schon der Sabber aus den Mundwinkeln tropfte, wenn man hörte “x plant ein neues Spiel”.
Eine dieser Firmen war Blizzard, die uns damals mit großartigen Spielen wie “The Lost Vikings” oder Warcraft beglückt haben. Allein der Name und die erarbeitete Reputation sorgten damals dafür, dass ich mir Warcraft 2 und Diablo gekauft habe. Auch die nachfolgenden Titel sind nicht spurlos an mir vorbei gegangen.
Als Blizzard dann 2005/2006 World of Warcraft auf den Markt brachte war natürlich klar, dass ich auch dieses Spiel kaufen – und wirklich exzessiv spielen – würde.
Es war einfach grandios. Natürlich hatte es damals diesselben Schwächen wie MMORPG heute zu Release auch, aber es war ein durch und durch gutes Spiel mit einer tollen Welt die es zu erkunden galt und es wurde niemals langweilig, denn es gab immer viel zu tun. Endlose Questreihen, um ein einzelnes Teil der Rüstung auszutauschen, noch einen Rang im PvP machen, einfach in der Welt herumreisen, Allianzler töten, Rollenspielevents unterstützt von Blizzards Communityteam.
Heute ist das alles nicht mehr so rosig. Mit den Jahren kam die Weiter- oder eher Rückentwicklung der Spielebranche. Spielehersteller wurden immer mehr zu Unternehmen, denen es weniger um lebendige Welten und Spielerlebnisse ging, als um Shareholder Values. Der Trend ging zum kopieren alter Erfolge mit möglichst geringem Aufwand und der Generierung zusätzlicher Umsätze. Das muss ja per se nicht negativ sein, solange die Spiele/r nicht darunter leiden. Leider sind wir an einem Punkt, wo man merkt wie schlecht es um die Spieleindustrie steht. Innovationen sind rar gesäht und erfolgreiche Konzepte werden kopiert und gemolken wie es nur geht. Man schaue sich mal die Entwicklung im Bereich Sportspiele (Fifa Soccer, Madden Football oder Pro Evolution Soccer) an. Jedes Jahr ein neues Spiel wo ausschließlich die Spielernamen angepasst werden und die Grafik geringfügig verbessert. Zum Vollpreis natürlich. Währenddessen bezahlt man anderswo für Alphazugang (der eigentlich Betazugang ist) und finanziert Spiele vor, die dann völlig unfertig auf den Markt kommen. Wirklich innovative Ideen fallen hingegen dem Zeitdruck des Publishers zum Opfer (Watchdogs zum Beispiel) indem sie halbfertig zum Release auf den Markt kommen und im halben Jahr danach durch Patches erst lauffähig gemacht werden.
Bei World of Warcraft hat das ganze einen ähnlichen Verlauf genommen. Es fing sehr bescheiden an. Mit einem Shop, wo man für Geld zusätzliche Reittiere erwerben konnte. Ein Reittier zum Preis von 2 Monaten Abonnement. Der Aufschrei in der Community hielt sich in Grenzen, denn Reittiere sind ja kein spielentscheidender Vorteil und man muss sie ja nicht kaufen. Doch damals gab es schon Leute, die diesen Shop kritisch sahen und befürchteten, er würde von den Entwicklern bevorzugt. Heute wissen wir, das es genau so kam. Die Shopmounts sind in ihrer Qualität jedem Mount im Spiel deutlich überlegen. Während für den Shop einzigartige Mounts entstehen, gibt es im Spiel kaum noch welche, die nicht schon in irgendeiner Form vorher da waren. Und entsprechend beschert dieser Shop einen unglaublichen, zusätzlichen Umsatz.
Doch Blizzard war hier offenbar noch nicht satt genug. Etwa zur gleichen Zeit wurden sogenannte Charakterservices angeboten, die Spielern ermöglichten ihre Charaktere auf andere Server zu transferieren, aus einem Orc einen Menschen zu machen oder nur den Namen zu ändern. Auch hier bleib der Aufschrei der Community anfangs aus, obwohl einige warnten das solche Services dafür sorgen könnten, das die so wichtige Balance zwischen Allianz und Horde damit gefährdet ist. Für Blizzard stellte sich dieses Problem nicht. Denn sie verkauften natürlich auch Transfers zwischen den Realms und öffneten damit eine Schleuse, die ihnen Unsummen an zusätzlichen Einnahmen bescherte. Spieler begannen ihre Server zu verlassen, um auf vollere zu wechseln. Spieler machten Menschen aus ihren Orcs oder Trollen um von der spielerisch kleineren Seite auf die größere zu wechseln. Die ersten Geisterserver entstanden. Statt dem entgegen zu wirken, ließ Blizzard die Leute transferieren und ignorierte das Problem der Spieler – die zusätzlichen Einnahmen waren offenbar verlockender als eine zufriedene Spielerschaft.
Entsprechend schrumpfte auch die damals utopisch hohe Spielerschaft von 12 Millionen weltweit auf unter 10 Millionen. Um dem entgegen zu wirken hatte Blizzard eine absolut geniale Idee. Man verkaufte ein einjähriges Abo und knüpfte zwei “Geschenke” daran. Eine kostenlose Version von Diablo 3 und freien Betazugang zum nächsten Addon. Damit wurden die Spielerzahlen stabilisiert und Kunden für weitere 12 Monate an WoW gebunden. Das heißt das Geld floß weiter, unabhängig davon, ob man diesen Kunden etwas bieten könnte.
Allerdings hielt diese Bindung nicht lange an und der Start von Diablo 3 erwies sich als größter Rohrkrepierer in der Spielegeschichte. Entsprechend musste man neue Wege finden, um Spieler zu binden und Einnahmen zu generieren.
Der letzte und aktuellste Streich ist das Gametoken.
Man kann jetzt für 20€ ein Token bei Blizzard erwerben, dass 30 Tage Spielzeit bietet. Dieses Token wird im spieleigenen Auktionshaus für Gold angeboten und zwar nur dort. Man kann weder die Spielzeit selbst nutzen (was auch unsagbar dämlich wäre, wo der WoW Monat nur 12,99€ kostet) noch das Token verschenken. Man stellt es also ins Auktionshaus und erhält dann vom Käufer 30.000 Gold im Spiel – der aktuelle Goldkurs wird stündlich errechnet.
Was bedeutet das für die Spieler?
Die meisten werden sagen “Das ist doch toll, dann brauche ich kein Geld mehr für Spielzeit ausgeben” und das ist nur teilweise richtig, denn irgendwer gibt stattdessen 20€ für Spielzeit aus, die eigentlich nur 12,99€ wert ist. Gleichzeitig entvölkert man die Spielwelt wieder etwas mehr. Um an Gold zu kommen musste man entweder farmen, Instanzen machen oder im Auktionshaus auf Schnäppchenjagd gehen. Jetzt kann man das mit einer 20€ Investition umgehen. Natürlich dürften die Preise für manche Dinge im Auktionshaus dadurch steigen, aber wie lange und was? Die Märkte, die momentan von zwielichten Goldfarmern kontrolliert werden wie Spektraltigerdupes werden sicherlich teurer, während der Normalspieler kaum seine Handwerksmaterialen viel teurer verkaufen wird als vorher, da man die, dank der WoD Änderungen, sowieso nachgeworfen bekommt. Es gibt hier also auch wieder nur wenige Gewinner.
Der erste wird Blizzard sein, die jetzt Abos für 20€ statt für 12,99€ verkaufen und somit wieder mal die stark fallenden Nutzerzahlen ausgleichen. Der zweite Gewinner könnte trotz allem der Goldhändler sein, denn dessen Bots interessiert es nicht, ob sie 48 Stunden statt vorher 24h für 100k Gold farmen müssen.
Verlierer wird es hingegen sehr viele geben. Die verbliebene Spielerschaft, die immer noch 12,99 für ein Spiel zahlt das nur noch als Cashcow betrieben wird, die gemolken werden muss bis das nächste Spiel aus dem Hause Blizzard fertig ist und ausreichend Geld generiert.
Das Pferd WoW ist tot.

Veröffentlicht unter MMORPG, Uncategorized | Hinterlasse einen Kommentar

ANGST

Nach den Wochen der Sorge und Wut war ich gestern eigentlich mit einem guten Gefühl auf dem Weg nach Hause. Der erste Besuch im Krankenhaus war, bis auf wenige Kleinigkeiten, auf die ich im Laufe des Textes noch eingehen werde, beruhigend. Meine Mutter war in relativ gutem Zustand, das Nierenversagen scheint reparabel zu sein, andere Beschwerden sind scheinbar nicht aufgetreten. Ich habe mich etwas mit ihr unterhalten, habe ihre Brille und ein Buch gebracht in der Hoffnung sie könnte in den kommenden Tagen etwas damit anfangen. Alles in allem hat es die Sorgen etwas gelindert.
Doch man freut sich oft zu früh. Gestern Abend rief dann ihre Ärztin an. Meine Mutter würde das Personal anschreien und beleidigen, Sachen nach ihnen werfen. Sie stellte mir einige Fragen über meine Mutter und ich musste gestehen, dass ich das bei ihr noch nie erlebt hatte. Seit diesem Anruf waren auch die Sorgen wieder da. Ist es vielleicht doch viel schlimmer? Nach dem Anruf kamen mir wieder einige Dinge in den Sinn, die ich bei meinem Besuch unter “Verwirrtheit” abgeheftet und nicht für ernst genommen hatte. Meine Mutter erzählte mir von einem komischen Arzt, der so unfreundlich und der so grob zu der Frau im Nachbarbett gewesen sei. Dazu murmelte sie etwas von ihrer Zimmernachbarin, die ja zur Familie Pieroth gehören würde und da gäbe es ja Gerüchte. Dazu passte dann der zweite Anruf der Stationsärztin und ihre Bitte ich solle mal mit meiner Mutter sprechen. Bei dem Gespräch war sie furchtbar aufgebracht und ich würde ja nicht glauben was in diesem Krankenhaus vorginge. Ich habe dann sehr ausführlich versucht sie zu beruhigen was wohl auch für einige Stunden gehalten hat. Bis dann um 03:25 erneut das Telefon klingelte und eine hörbar verschreckte Schwester am Telefon war und sich erst mal hundertfach für die späte Störung entschuldigte. Meine Mutter war mal wieder auf dem Flur unterwegs, weigerte sich eine Spritze geben zu lassen und warf wieder mit Gegenständen und schrie wild rum. Auch hier musste ich dann wieder aushelfen und beruhigend einwirken. Ich habe sicherlich 15 Minuten versucht sie zu überzeugen, dass niemand dort im Krankenhaus Drogen verkauft, keine geheimnisvollen Dinge vorgehen und sie nicht in einer Parallelwelt lebt. Inwiefern das ganze erfolgversprechend war, werde ich frühestens dann erfahren, wenn das Telefon wieder klingelt oder ich eben, trotz anderer Pläne, morgen wieder im Krankenhaus war.
Was ich allerdings wirklich hoffe ist, dass die Ärzte bald auf die Ursache des Problems stoßen. Ich bin gerade an einem Punkt wo ich weder schlafen kann noch mich irgendwie ablenken. Die Gedanken kreisen um Eventualitäten und mögliche Folgen des Ganzen.
Muss ich damit rechnen bald einen Pflegefall in der Familie zu haben? Wäre meine Mutter in einem Alter, wo sowas als quasi normal gilt, wäre es zwar nicht einfacher, aber es wäre glaubwürdiger. Sie ist noch nicht mal 65 war vor 3 Wochen noch, bis auf ihre manchmal wiederkehrenden Rückenprobleme topfit und munter. Ich bin noch nicht bereit für sowas.
Dazu kommt diese Hilflosigkeit, die mit den Sorgen und Ängsten einhergeht. Ich weiß genau, dass ich aktuell nichts tun kann, um die Lage zu verbessern. Ich kann maximal auf eine Diagnose warten, sie besuchen und mit dem gleichen unguten Gefühl wieder nach Hause fahren. Die Fragen ob man vielleicht etwas falsch gemacht hat tauchen ebenso wieder auf, wie die Frage nach dem wie das passieren konnte und ob es Anzeichen dafür gab, dass hier was gewaltig im Argen liegt. Ich weiß nicht, ob es nicht möglich gewesen wäre sie viel früher zum Arzt zu zwingen. Vermutlich nicht. Die Zweifel bleiben trotzdem.
Hoffentlich schläft sie jetzt wenigstens.

Veröffentlicht unter Allgemeines, General | Hinterlasse einen Kommentar

Vom Leben in all seinen natürlichen und unnatürlichen Formen

Die Nacht zum Tage machen.

Phase 2 und Altersdemenz? Nachdem ich heute abend irgendwann dachte es sei notwendig jetzt doch mal einen Arzt zu bestellen, wurde aus der mir gegenüber kranken Frau eine kerngesunde Seniorin. Den Tag und den halben Abend über saß sie noch völlig apathisch im Wohnzimmer, konnte die Katzen nicht auseinanderhalten, ist im Sitzen eingeschlafen und ihre Zähne landeten auf dem Fußboden. Auf meine Frage “Ist alles in Ordnung?” bekam ich die Standardantwort “Mir geht es gut.” Den Hinweis, dass ihre oberen Schneidezähne zwischen ihren Füßen liegen würden nahm sie nicht wahr.
Dieses Ereignis und weitere Anzeichen von geistiger Abwesenheit sorgten dann bei mir für ein “jetzt reicht’s” und ich rief über die ärztliche Bereitschaft einen Arzt.
Kaum war der dann da, kam die große Gesundung. Ihr geht es ja gut und alles nicht so schlimm, Beschwerden hat sie auch keine (das sie kaum noch selbst vom Bad ins Wohnzimmer laufen kann scheint kein Problem zu sein) und überhaupt braucht sie keinen Arzt. Auf den Hinweis des Arztes, dass sie zukünftig doch direkt bei Grippe einen Arzt aufsucht hat sie lächelnd zur Kenntnis genommen und den Rat möglichst sofort ein CT machen zu lassen ebenso. Eine Stunde nachdem der Arzt weg war, ging das Spiel von vorne los. Ich schnitt ihr auf Anfrage eine Semmel auf, brachte Butter und wünschte einen guten Appetit. Nach einer Stunde kam ich zurück, das Essen nicht angetastet und fragte “Du hast ja gar nicht gegessen?”, um mir dann ein “Doch, ich habe was gegessen” anzuhören. Unnötig zu erwähnen, dass die Kiwi vom Mittagessen ebenso unberührt auf dem Tisch stand. Im weiteren Verlauf des Abends verschlechterte sich der Zustand dann so weit, dass ich ihr um ca. 23 Uhr riet endlich schlafen zu gehen, statt mit offenen Augen auf den Tisch zu starren. Als Antwort erhielt ich ein “Ja, ich gehe gleich”. Nach 0 Uhr saß die gute Frau immer noch und starrte in irgendeine Ecke während der Fernseher lief. Auf Rückfrage wie das mit dem ins Bett gehen sei erhielt ich ein “Mir geht’s gut”. Um zehn nach zwei motzte sie mich an, weil ich meinte das letzte Mal sei zwei Stunden her.
Als ich sie dann mühsam bis ins Schlafzimmer geleitet hatte, was mich etwa 5 Minuten kostete, setzte sie sich demonstrantiv ans falsche Ende und fing wieder an zu starren. Auf weiteres Ansprechen reagierte sie nicht. Ich entschloß mich also einen Krankenwagen zu rufen, der auch innerhalb von Minuten da war. In der Zeit war sie wieder vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer geschlichen und Teil 2 der großen Abendshow begann. Die Sanitäter nahmen ihren Blutdruck, der ziemlich mies war, aber ins Krankenhaus wollte sie nicht, ergo mussten die beiden unverrichteter Dinge wieder gehen.
Inzwischen sitzt sie wieder im Schlafzimmer und murmelt vor sich hin. Und ich bin am Ende mit meinem Latein. Werde ich fachmännisch getrollt?
Das letzte Mal als ich die Notwendigkeit sah einen Krankenwagen zu rufen, waren auch zwei Tage “mir geht es doch gut” vergangen. Der Krankenwagen damals nahm sie direkt mit. Diagnose fortgeschrittene Gelbsucht. Sie verbrachte rund 4 Wochen im Krankenhaus. Ich glaube nicht, dass sie morgen mit weniger davonkommt.
Ich jedenfalls ziehe mich aus der Welt der Pflege nun vollständig zurück. Ich habe sowas von fertig. Wenn sie eben lieber elendig im eigenen Siff abnippelt, dann meinetwegen.

Veröffentlicht unter Allgemeines, General | Hinterlasse einen Kommentar