ANGST

Nach den Wochen der Sorge und Wut war ich gestern eigentlich mit einem guten Gefühl auf dem Weg nach Hause. Der erste Besuch im Krankenhaus war, bis auf wenige Kleinigkeiten, auf die ich im Laufe des Textes noch eingehen werde, beruhigend. Meine Mutter war in relativ gutem Zustand, das Nierenversagen scheint reparabel zu sein, andere Beschwerden sind scheinbar nicht aufgetreten. Ich habe mich etwas mit ihr unterhalten, habe ihre Brille und ein Buch gebracht in der Hoffnung sie könnte in den kommenden Tagen etwas damit anfangen. Alles in allem hat es die Sorgen etwas gelindert.
Doch man freut sich oft zu früh. Gestern Abend rief dann ihre Ärztin an. Meine Mutter würde das Personal anschreien und beleidigen, Sachen nach ihnen werfen. Sie stellte mir einige Fragen über meine Mutter und ich musste gestehen, dass ich das bei ihr noch nie erlebt hatte. Seit diesem Anruf waren auch die Sorgen wieder da. Ist es vielleicht doch viel schlimmer? Nach dem Anruf kamen mir wieder einige Dinge in den Sinn, die ich bei meinem Besuch unter “Verwirrtheit” abgeheftet und nicht für ernst genommen hatte. Meine Mutter erzählte mir von einem komischen Arzt, der so unfreundlich und der so grob zu der Frau im Nachbarbett gewesen sei. Dazu murmelte sie etwas von ihrer Zimmernachbarin, die ja zur Familie Pieroth gehören würde und da gäbe es ja Gerüchte. Dazu passte dann der zweite Anruf der Stationsärztin und ihre Bitte ich solle mal mit meiner Mutter sprechen. Bei dem Gespräch war sie furchtbar aufgebracht und ich würde ja nicht glauben was in diesem Krankenhaus vorginge. Ich habe dann sehr ausführlich versucht sie zu beruhigen was wohl auch für einige Stunden gehalten hat. Bis dann um 03:25 erneut das Telefon klingelte und eine hörbar verschreckte Schwester am Telefon war und sich erst mal hundertfach für die späte Störung entschuldigte. Meine Mutter war mal wieder auf dem Flur unterwegs, weigerte sich eine Spritze geben zu lassen und warf wieder mit Gegenständen und schrie wild rum. Auch hier musste ich dann wieder aushelfen und beruhigend einwirken. Ich habe sicherlich 15 Minuten versucht sie zu überzeugen, dass niemand dort im Krankenhaus Drogen verkauft, keine geheimnisvollen Dinge vorgehen und sie nicht in einer Parallelwelt lebt. Inwiefern das ganze erfolgversprechend war, werde ich frühestens dann erfahren, wenn das Telefon wieder klingelt oder ich eben, trotz anderer Pläne, morgen wieder im Krankenhaus war.
Was ich allerdings wirklich hoffe ist, dass die Ärzte bald auf die Ursache des Problems stoßen. Ich bin gerade an einem Punkt wo ich weder schlafen kann noch mich irgendwie ablenken. Die Gedanken kreisen um Eventualitäten und mögliche Folgen des Ganzen.
Muss ich damit rechnen bald einen Pflegefall in der Familie zu haben? Wäre meine Mutter in einem Alter, wo sowas als quasi normal gilt, wäre es zwar nicht einfacher, aber es wäre glaubwürdiger. Sie ist noch nicht mal 65 war vor 3 Wochen noch, bis auf ihre manchmal wiederkehrenden Rückenprobleme topfit und munter. Ich bin noch nicht bereit für sowas.
Dazu kommt diese Hilflosigkeit, die mit den Sorgen und Ängsten einhergeht. Ich weiß genau, dass ich aktuell nichts tun kann, um die Lage zu verbessern. Ich kann maximal auf eine Diagnose warten, sie besuchen und mit dem gleichen unguten Gefühl wieder nach Hause fahren. Die Fragen ob man vielleicht etwas falsch gemacht hat tauchen ebenso wieder auf, wie die Frage nach dem wie das passieren konnte und ob es Anzeichen dafür gab, dass hier was gewaltig im Argen liegt. Ich weiß nicht, ob es nicht möglich gewesen wäre sie viel früher zum Arzt zu zwingen. Vermutlich nicht. Die Zweifel bleiben trotzdem.
Hoffentlich schläft sie jetzt wenigstens.

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Vom Leben in all seinen natürlichen und unnatürlichen Formen

Die Nacht zum Tage machen.

Phase 2 und Altersdemenz? Nachdem ich heute abend irgendwann dachte es sei notwendig jetzt doch mal einen Arzt zu bestellen, wurde aus der mir gegenüber kranken Frau eine kerngesunde Seniorin. Den Tag und den halben Abend über saß sie noch völlig apathisch im Wohnzimmer, konnte die Katzen nicht auseinanderhalten, ist im Sitzen eingeschlafen und ihre Zähne landeten auf dem Fußboden. Auf meine Frage “Ist alles in Ordnung?” bekam ich die Standardantwort “Mir geht es gut.” Den Hinweis, dass ihre oberen Schneidezähne zwischen ihren Füßen liegen würden nahm sie nicht wahr.
Dieses Ereignis und weitere Anzeichen von geistiger Abwesenheit sorgten dann bei mir für ein “jetzt reicht’s” und ich rief über die ärztliche Bereitschaft einen Arzt.
Kaum war der dann da, kam die große Gesundung. Ihr geht es ja gut und alles nicht so schlimm, Beschwerden hat sie auch keine (das sie kaum noch selbst vom Bad ins Wohnzimmer laufen kann scheint kein Problem zu sein) und überhaupt braucht sie keinen Arzt. Auf den Hinweis des Arztes, dass sie zukünftig doch direkt bei Grippe einen Arzt aufsucht hat sie lächelnd zur Kenntnis genommen und den Rat möglichst sofort ein CT machen zu lassen ebenso. Eine Stunde nachdem der Arzt weg war, ging das Spiel von vorne los. Ich schnitt ihr auf Anfrage eine Semmel auf, brachte Butter und wünschte einen guten Appetit. Nach einer Stunde kam ich zurück, das Essen nicht angetastet und fragte “Du hast ja gar nicht gegessen?”, um mir dann ein “Doch, ich habe was gegessen” anzuhören. Unnötig zu erwähnen, dass die Kiwi vom Mittagessen ebenso unberührt auf dem Tisch stand. Im weiteren Verlauf des Abends verschlechterte sich der Zustand dann so weit, dass ich ihr um ca. 23 Uhr riet endlich schlafen zu gehen, statt mit offenen Augen auf den Tisch zu starren. Als Antwort erhielt ich ein “Ja, ich gehe gleich”. Nach 0 Uhr saß die gute Frau immer noch und starrte in irgendeine Ecke während der Fernseher lief. Auf Rückfrage wie das mit dem ins Bett gehen sei erhielt ich ein “Mir geht’s gut”. Um zehn nach zwei motzte sie mich an, weil ich meinte das letzte Mal sei zwei Stunden her.
Als ich sie dann mühsam bis ins Schlafzimmer geleitet hatte, was mich etwa 5 Minuten kostete, setzte sie sich demonstrantiv ans falsche Ende und fing wieder an zu starren. Auf weiteres Ansprechen reagierte sie nicht. Ich entschloß mich also einen Krankenwagen zu rufen, der auch innerhalb von Minuten da war. In der Zeit war sie wieder vom Schlafzimmer ins Wohnzimmer geschlichen und Teil 2 der großen Abendshow begann. Die Sanitäter nahmen ihren Blutdruck, der ziemlich mies war, aber ins Krankenhaus wollte sie nicht, ergo mussten die beiden unverrichteter Dinge wieder gehen.
Inzwischen sitzt sie wieder im Schlafzimmer und murmelt vor sich hin. Und ich bin am Ende mit meinem Latein. Werde ich fachmännisch getrollt?
Das letzte Mal als ich die Notwendigkeit sah einen Krankenwagen zu rufen, waren auch zwei Tage “mir geht es doch gut” vergangen. Der Krankenwagen damals nahm sie direkt mit. Diagnose fortgeschrittene Gelbsucht. Sie verbrachte rund 4 Wochen im Krankenhaus. Ich glaube nicht, dass sie morgen mit weniger davonkommt.
Ich jedenfalls ziehe mich aus der Welt der Pflege nun vollständig zurück. Ich habe sowas von fertig. Wenn sie eben lieber elendig im eigenen Siff abnippelt, dann meinetwegen.

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Blubb

Wenn Menschen alt werden, dann werden sie wunderlich. Manche früher, andere später. Ehrlich gesagt hatte ich das nie tatsächlich erlebt. Alle nahen Verwandten, die wunderlich wurden, waren meistens so weit weg, dass ich es nicht mitbekommen habe – in anderen Fällen war ich einfach zu jung oder hatte einfach zu wenig Kontakt um Änderungen zu bemerken.
Aktuell ist das anders. Nach der heftigen Grippe im Februar, die jedes verbliebene Familienmitglied erwischt hat, inklusive mir, scheint sich bei meiner Mutter langsam die Veränderung zum Wunderlichen zu vollziehen. Ich hatte es anfangs auf Fieber oder Nebenerkrankungen der Grippe geschoben, aber inzwischen bin ich mir da nicht mehr sicher. Ich mache mir Sorgen. Wir hatten immer ein gutes Verhältnis, sie unterstützte mich wo sie konnte und war vielleicht viel zu liberal und ich wahrscheinlich oft zu frech und manchmal etwas respektlos.
Ihr momentaner Zustand ist schwierig zu beschreiben, wenn man sie nicht kennt. Sie wirkt oft teilnahmslos, reagiert nicht, wenn man sie anspricht und antwortet, entgegen ihrer Gewohnheit, meistens nur in sehr kurzen Sätzen. Manchmal scheint sie verwirrt zu sein, sie schläft unglaublich viel und isst sehr wenig. Dazu kommen ihre körperlichen Probleme aufgrund des Alters, harter Arbeit und fehlender Bewegung. Sie hat jetzt seit Monaten Probleme mit dem Rücken, kann manchmal kaum laufen und hat Schmerzen in den Beinen. Vor zwei Jahren war das noch vollständig anders.
Ich bin mehr als unsicher was ich jetzt tun soll. Vielleicht sollte ich mir selbst eine Frist setzen und sie bei nicht eintretender Besserung doch mal einen Arzt hinzuziehen – was sie von sich aus strikt ablehnt, weil es ihr laut eigener Aussage ja wieder besser geht. Sonst hätte ich das längst getan.

Ratlos.

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Mein Freund, der Baum..

Die Bepflanzung hier vor dem Haus war nie sonderlich schön. Zumindest seitdem ich hier wohne nicht. Beim Bau des Hauses und Bezug durch die ersten Mieter, was so ca. 1967 gewesen sein muss, waren die Gärten vor und hinter dem Haus sicherlich noch schön anzuschauen. Als die komplette Siedlung dann vom Bund an einen Privatinvestor überging, das müsste so in den 80ern gewesen sein, wurde nur noch das nötigste gemacht. Schließlich wollte man den Gewinn nicht durch unnötige Investitionen wie Gartenpflege schmälern. Entsprechend oft wechselten die Besitzer der gesamten Wohnanlagen. Meistens für einen symbolischen Preis von 1€. Das führte dazu, dass in den wenigen Jahren, in denen ich jetzt hier hause, sicherlich drei verschiedene Firmen im Besitz der Siedlung waren. Die Einnahmen wurden so lange kassiert bis, hier muss ich mutmaßen, irgendeine gesetzliche Regelung Investitionen erforderlich gemacht hätte und an diesem Zeitpunkt wurde wieder für 1€ an den nächsten Immobilienladen weiterverkauft. Zuletzt besaß Bilfinger-Berger die gesamte Liegenschaft. Inzwischen ist es irgendein nicht weniger seltsames Konsortium aus Wiesbaden.

Und, oh Wunder, vor rund 6 Wochen hing ein neuer Schrieb im Treppenhaus aus. Die Vorgärten sollten gemacht werden und die Mieter wurden gebeten ihr Zeug aus selbigen zu entfernen.

Wie das halt so ist, rechnete niemand damit, dass sich tatsächlich etwas tun würde – jedenfalls nicht mehr als das jährliche Heckentrimmen. In den Vorjahren spielte sich das meistens so ab:

Der Sohn der Hausmeisterin kam mit einer großen elektrischen Säge und begann aus den Hecken und Bäumen quadratische Naturkunstwerke zu machen. Rechts einmal senkrecht schneiden, links einmal senkrecht schneiden und dann horizontal die Spitzen.

An dieses Ereignis dürften sich sämtliche Mieter hier erinnert haben und entsprechend ernst nahmen sie wohl diesen Aushang.

Seit gestern wissen alle, dass es diesmal anders ist. Innerhalb von zwei Tagen sind alle Vorgärten vollständig eingeebnet. Die Bäume, Streucher, eventuelle Vorgärtenkunst wurde fachmännisch abgesägt, nur die Wurzeln sind noch da. Aber die werden ohne Zweifel auch bald Geschichte sein. Ich persönlich finde es nicht so furchtbar. Gut, sagen wir ich fände es nicht so furchtbar, wenn man wüßte wie es denn danach weiter geht. Viele der langjährigen Mieter hatten sich hier in bester Ruhrpottmanier an die Gegebenheiten angepasst und die hässlichen grauen Fassaden mit schönen Gärten verdeckt. Da wurden Rasen gesät, Jägerzäune um den Balkon gebaut, Pflanzenkübel aufgestellt und sich wohnlich eingerichtet. Die werden wenig begeistert sein.

Mein Versuch den Vorgarten vor meinen Räumlichkeiten mal zu verschönern wurde von den Nachbarn oben drüber mit den Worten “DAS IST DER GARTEN UNSERER MUTTER” damals abgeschmettert. Von der Optik her stimme ich zu. Mutter und Garten passen wunderbar zusammen. Beide haben bessere Zeiten gesehen – vor 100 Jahren circa. Und beide haben den unverwechselbaren Charme eines Ghettos in der NS-Zeit. Es hätte also alles dafür gesprochen, dass ich mir den Vorgarten unter den Nagel reisse. Ich habe es nicht getan. Zum einen hatte ich keine Lust auf den Stress mit der Familie der Elefantenmenschen, die selbst morgens um acht Uhr primitiver streiten können als die Flodders und zum anderen wollte ich hier nicht den Rest meines Lebens verbringen. Da bin ich sehr pragmatisch.

Jetzt ist das Thema sowieso erledigt und ich frage mich eigentlich nur was noch kommen wird. Ich bin sehr gespannt und werde Fotos machen. Die richtigen “Vorher-Bilder” habe ich aufgrund der unerwarteten Schnelligkeit der Ereignisse leider nicht machen können. Dafür gibt es jetzt Bilder von Vorgärtenruinen und vielleicht irgendwann von einer Verbesserung.

Ich bin gespannt und neugierig.

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LAUF DU SAU!

Das Wetter zieht einen zwar noch nicht nach draußen, aber irgendwann muss man ja mal anfangen. Da ich jetzt seit Monaten nicht mehr laufen war, wird es sowas wie ein Neuanfang. Der letzte Lauf ist auf den 2.Juli 2014 datiert und entsprechend dürfte es um meine Kondition bestellt sein.
Um wieder langsam in Tritt zu kommen, fängt man am besten mit einem ordinären Lauf über 30 Minuten an. Die Entfernung spielt dabei eine untergeordnete Rolle, auch zwischenzeitliches Gehen ist vorgesehen, sofern man merkt, dass die Kräfte nachlassen. Im Optimalfall läuft man 3 Minuten, geht dann wieder 1 Minute und beginnt wieder zu laufen. Das sollte nach den ersten Wochen dann den Körper so weit auf Vordermann gebracht haben, dass man irgendwann wieder 30 Minuten am Stück laufen kann ohne dazwischen gehen zu müssen.
Die Probleme, die bei Läufern, speziell Anfängern, immer wieder auftauchen sind motivationaler Art. Meistens fängt man in Woche 2 oder 3 an auf Ergebnisse zu hoffen, aber der Körper braucht eine Weile bis er in Form kommt und es wirkt als wäre kein Fortschritt zu erkennen. Zusätzlich kommt es in den ersten Wochen dann oft zu Übermüdungen der Muskeln oder Gelenke, die einen, sofern man es übertreibt, dann in eine Verletzungspause zwingen.
Das alles lässt sich natürlich vermeiden, indem man es beim Laufen ruhig angehen lässt und mit dem entsprechenden “Mindset” an die Sache rangeht. Beim Laufen gilt, ebenso wie beim Krafttraining oder vielen anderen Sportarten, die Länge der Sportpause ist in etwa die Zeit, die der Körper braucht um den Stand vor der Pause zu erreichen – meistens eher das doppelte. Wenn ich also 3 Monate gar nichts gemacht habe, brauche ich 3-6 Monate um wieder auf dem alten Stand zu sein.
Alle versuche sich möglichst schnell auf ein gutes Level zu bringen, sind also kontraproduktiv.
Sehr wichtig ist hingegen stets auf seinen Körper zu hören, Schmerzen nicht zu unterschätzen und im Zweifelsfall tatsächlich mal einen Arzt aufzusuchen.
Ich versuche dann morgen mal den Kadaver wieder auf die Straße zu bringen,vernünftig einen Fuß vor den anderen zu setzen und zu schauen wie weit es mich trägt – ganz langsam.

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Human beings are a disease, a cancer of this planet.

Dieses Matrixzitat kam mir heute wieder in den Sinn als ich einen Artikel zum Zustand der Erde gelesen habe. Die Seuche, die unseren Planeten befallen hat, wird inzwischen als Anthroprozän bezeichnet. Das Erdzeitalter der Menschen. Wir bezeichnen uns immer als intelligente Spezies und das mag auf viele Bereiche bezogen auch stimmen. Wir reisen ins Weltall, erklären wissenschaftliche Zusammenhänge, klonen Lebewesen. Und doch sind wir nicht lernfähig. Die Geschichte ist voll von der Entstehung von Hochkulturen und ihrem Untergang. Einige dieser Hochkulturen gingen an einer Änderung der Umweltbedingungen zugrunde, andere an Fehlern in ihrer kulturellen Entwicklung und wieder andere durch Feinde von außen.
Wir Menschen sind unheimlich gut im dokumentieren, beobachten und beurteilen, leider oft zu dumm die richtigen Lehren aus diesen Erkenntnissen zu ziehen. In diesem Falle sollte man dumm als beschränkt verstehen. Die Menge an Menschen, die versucht die Menschheit auf vielen Ebenen weiter zu bringen ist viel geringer als die Masse, die nur basierend auf ihrem eigenen Vorteil handelt. Was mir beispielsweise total fremd ist, ist die Fixierung auf Geld oder Reichtum. Was bringt mir ein Vermögen im zweistelligen Millionenbereich – oder Milliardenbereich – macht mich das glücklicher? Man glaubt immer, dass jemand mit so viel Geld weniger Sorgen hat. Das ist meiner Meinung nach eine völlige Fehlannahme. Menschen mit solchen Vermögen arbeiten mindestens genauso viel, ihr Leben kann genauso abrupt enden, sie können sterbenskrank werden, bei einem Autounfall sterben. Die einzige Sorge, die sie nicht haben ist, Geld. Dennoch sind sie nicht glücklicher als die meisten anderen Menschen – sofern man natürlich verhungernde Arme in dritten Welt Ländern ausklammert.
Was ist also der Anreiz so ein Vermögen anzuhäufen? Ansehen? Es gibt bestimmt Menschen, denen ihr Ansehen wichtiger ist als alles andere, aber auch das habe ich niemals verstanden. Wäre dieses Ansehen nicht viel besser, wenn man seine Milliarden darauf verwendet, das Leben aller Menschen zu verbessern, wie es beispielsweise Bill Gates tut, statt auf ihnen zu sitzen, sie ohne Aufwand zu vermehren und sie mit ins Grab zu nehmen?
Offenbar nicht, denn es gibt sehr wenige unter den Superreichen, die so eine ausgeprägte soziale Ader haben.
Aber zurück zu unserem blauen Planeten.
Die Wissenschaft kennt neun “Marker” für stabiles, gesichertes Leben auf der Erde. Dazu zählen unter anderem der Resourcenverbrauch, das Klima oder die Artenvielfalt. Von diesen neun Markern sind bereits vier im roten Bereich angekommen. Am Ende diesen roten Bereiches gibt es eine Art “point of no return”. Das bedeutet, wenn wir diese Grenze überschritten haben, werden wir sie auch technisch nicht mehr korrigieren können. Wir wissen das. Wir ahnen es seit Jahrzehnten, aber tun nichts dagegen, weil bisher ja immer noch viel Zeit war und es sich sehr langsam entwickelt. Das erinnert mich immer an die Geschichte mit dem Frosch im Kochtopf. Wenn man die Temperatur des Wassers nur langsam steigen lässt, wird er nicht raushüpfen bis es kocht. In so einem Kochtopf sitzen wir gerade.
Wir leben weit über unsere Verhältnisse, wir leben in unserer Generation und hinterlassen nachfolgenden Generationen eine Welt, die vielleicht nicht mehr zu retten ist. Unsere Politik tut das was sie am besten kann – nichts tun, abwarten, “Politik der ruhigen Hand”.
Die Bürger selbst sehen nicht ein, dass ein Auto nicht 8l auf 100km verbrauchen und keine 250km/h Spitze fahren muss. Und wenn jemand vorschlägt einen Tag pro Woche auf Fleisch zu verzichten, gehen die Leute auf die Straße. In der Zwischenzeit haut man sich das verseuchte Fleisch von Wiesenhof und den anderen professionellen Verbrechern für 1,20 pro 500g rein und hetzt über Flüchtlinge.
Dabei wäre ein Blick in die Geschichte so einfach.
Die Maya beispielsweise sind verschwunden, weil ihre Nahrung nicht mehr ausgereicht hat, um die Bevölkerung zu ernähren, ihre Böden waren verarmt, es gab Dürren durch starke Abholzung und daraus folgende Hungersnöte. Haben wir daraus etwas gelernt? Ein Blick auf unsere Wälder weltweit reicht.
Das römische Reich ging, anders als es ein gewisser Westerwelle mal behauptet hat, nicht an spätrömischer Dekadenz zugrunde, sondern an vielfältigen sozial- und gesellschaftspolitischen Gründen, die Aufstände innerhalb des Reiches durch eingebürgerte Volksgruppen begünstigten.
Man würde es heute als Versagen der Politik bezeichnen, fehlende oder mangelhafte Integration der einzelnen Völker ins Reich, unfähige Kaiser.
Haben wir alles schon mal gehört und es scheint aktueller denn je.
Auch bei uns ist die Integration, die Asylgesetzgebung, die Politik suboptimal. Und sie führt zu Konflikten, die es nicht geben müsste, wenn man unserer Politik einen sozialeren Anstrich geben würde. Dennoch sparen wir seit Jahren an den Sozialsystemen, den Renten, den Flüchtlingen und an Bildung. Stattdessen verpulvern wir Milliarden, um unser Wirtschaftssystem noch unsozialer zu machen mit voller Unterstützung unserer Volksparteien, denen auch nur der Machterhalt wichtig ist, nicht der Fortschritt des Landes.
Mich persönlich wundert es nicht, wenn Leute gefährlichen Idiotien wie Pegida nachlaufen oder unsere neue nationalliberale Partei als Alternative zu den großen Volksparteien sehen. Denn die Neuen hatten noch nicht die Zeit uns über Jahre zu belügen und da sehe ich dann auch den Grund für den Zulauf und die Gefahr, dass wir eines Tages wieder im Jahre 1923 landen. Die Finanzkrise ist immer noch ungelöst und brodelt im Untergrund, die Politikverdrossenheit der Bürger ist auf einem gefährlichen Niveau und es fehlen die Köpfe in der Regierung, die notwendige Änderungen voran bringen könnten.

Vielleicht ist es wirklich Zeit, dass die Erde ihren Krebs bekämpft – wenn wir uns schon nicht grundlegend ändern.

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Gestern und heute und übermorgen.

In Paris sterben 12 Menschen bei einem Anschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo durch Terroristen. Europa ist schockiert und geht aus Solidarität auf die Straße.
Sicherlich muss man nicht wieder die Diskussion führen was Satire in den Grenzen der Meinungs- und Pressefreiheit darf und man sollte auch nicht wieder darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist die ausschlaggebenden Karikaturen in einer “Jetzt erst recht” Aktion vor sich her zu tragen.
Oder sollte man es doch?
Eines der größten Sammelbecken für Bekloppte in Deutschland ist nicht die AfD, die sind nämlich noch relativ klein, sondern ihre Schwesterpartei CSU. Ich weiß das jetzt irgendein Klugscheisser ankommt und mir erzählt, die CSU sei die Schwesterpartei der CDU und hat überhaupt nichts mit der AfD zu tun. Aber so einfach ist das nicht. Die CSU ist für die CDU eine Art Auffangbecken für Menschen mit wirren Gedanken. Um das zu belegen braucht man nicht die Autobahnmaut oder die gesammelten Werke von Franz Josef Strauß hervor zu holen, da reicht ein Blick in die Nachrichten der letzten 2-3 Jahre.
Die Forderung nach der Vorratsdatenspeicherung kam aus der CSU, trotz des besseren Wissens, das Frankreich diese Vorratsdatenspeicherung bereits hat und dazu einen Überwachungsapparat, der manche Diktaturen blass aussehen lässt. Hat das den Anschlag auf Charlie Hebdo verhindert?
Dann gab es vor nicht allzu langer noch die Forderung das die Menschen gefälligst Deutsch zu sprechen haben und zwar nicht nur in der Öffentlichkeit oder im Landtag, sondern daheim in ihren eigenen vier Wänden. Zumindest dann, wenn es sich um Ausländer handelt. Liebe CSU, ein Großteil eurer Wähler spricht kein einziges Wort Deutsch, weder im Landtag, noch in den eigenen vier Wänden. Gäbe es in eurem Land ein Deutschgebot, könntet ihr die Wiesn, die Biergärten und den Theaterstadl direkt dicht machen.
Die Forderung nach mehr Polizeieinsätzen gegen Einbrüche kam auch irgendwann auf. Kann man natürlich fordern, wenn man aber im Gegenzug der Polizei die Mittel entzieht und die Anzahl der Polizisten permanent ausdünnt, ist das vermutlich ein Eigentor.
Aber zurück nach Paris und zu dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Der Anschlag fand ja angeblich statt, weil Charlie Hebdo gerne mal Karikaturen zum Thema Glauben veröffentlicht. Also nicht speziell zum muslimischen Glauben, sondern auch zum christlichen, zum jüdischen oder einem beliebigen anderen. Blicken wir mal zurück ins Jahr 2012.
2012, als Charlie Hebdo ankündigte “neue” Mohammedkarikaturen zu veröffentlichen, konnte man folgendes in der deutschen Presse lesen:

Die Welt: “Eine französische Satire-Zeitschrift provoziert neue Wutausbrüche radikaler Islamisten: Ungeachtet der gewaltsamen Proteste gegen den Mohammed-Film aus den USA veröffentlicht das Magazin “Charlie Hebdo” in seiner Ausgabe vom Mittwoch Karikaturen des Propheten.” [1]

SZ: “Provokation oder Pressefreiheit? Die französische Satire-Zeitschrift “Charlie Hebdo” veröffentlicht neue Mohammed-Karikaturen. Während Frankreichs Regierung den Abdruck kritisiert, verteidigt sich das angesehene Magazin.” [2]

So sahen damals etwa die Schlagezeilen aus. Ja, Pressefreiheit schön und gut. Meinungsfreiheit unbedingt. Aber Religionen “provozieren”? NICHT MIT UNS!
Das diesselben Pappnasen jetzt mit “Je suis Charlie” rumlaufen ist eigentlich eher armselig.
Besonders armselig wird es aber erst, wenn man diesen Artikel liest, der einige Monate später bei der TAZ erschienen ist.

Spiegel online: “Die CSU nutzt die Aufregung um das Mohammed-Video, um Stimmung für ein verschärftes Strafrecht zu machen. Laut der Partei müsste religiöse Verunglimpfung generell unter Strafe gestellt werden. CSU-Chef Seehofer erklärte, so könne man “die Provokation beherrschbar machen”[3]

Moment mal? Seehofer? Wer ist das noch? Ach ja richtig, der Typ, der seinem Volk die Autobahnmaut versprochen hat, Vorsitzender der CSU.

Keine weiteren Fragen. Danke.

[1]http://www.welt.de/politik/ausland/article109314106/Magazin-veroeffentlicht-neue-Mohammed-Karikaturen.html
[2]http://www.sueddeutsche.de/politik/satiremagazin-charlie-hebdo-in-der-kritik-paris-verurteilt-veroeffentlichung-neuer-mohammed-karikaturen-1.1471840
[3]http://www.spiegel.de/politik/deutschland/mohammed-video-seehofer-dringt-auf-verschaerfung-des-strafrechts-a-857014.html

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